Was jede Kennzahl misst

Die Rentabilitätskennzahlen beantworten dieselbe Frage aus drei Blickwinkeln. Der ROE sieht sie von der Eigentümerseite: wie viel Jahresüberschuss jeder Euro Eigenkapital erzeugt. Der ROI betrachtet das Unternehmen als operative Maschine und setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum investierten Kapital, ohne sich davon beeinflussen zu lassen, wie dieses Kapital beschafft wurde. Der ROS steigt auf die Ebene der Gewinn- und Verlustrechnung hinab und sagt, wie viel Betriebsergebnis je Euro Umsatz bleibt.

Der Verschuldungsgrad verbindet die ersten beiden. Übersteigt der ROI die Kosten des Fremdkapitals, erhöht Verschuldung den ROE: das Unternehmen verdient am fremden Kapital mehr, als es dafür zahlt. Fällt der ROI unter diese Kosten, wirkt der Hebel umgekehrt und verstärkt die Verluste. Deshalb hat der Verschuldungsgrad keinen absolut guten Wert — er hängt ganz vom Verhältnis zwischen ROI und Fremdkapitalkosten ab.

Die Liquiditätskennzahlen wechseln den Horizont und blicken auf die nächsten zwölf Monate. Die Liquidität 3. Grades vergleicht das Umlaufvermögen mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten; ein Wert über 1 bedeutet, dass die liquide werdenden Mittel die fälligen Schulden decken. Die Liquidität 2. Grades nimmt die Vorräte aus dem Zähler heraus, denn das Lager ist der Posten, der sich in einer Krise am schlechtesten und langsamsten zu Geld machen lässt.

Häufige Fehler

  • Den Jahresüberschuss in den Zähler des ROI setzen: der ROI verwendet das Betriebsergebnis, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Mit dem Jahresüberschuss erhält man eine andere Kennzahl, und bei verschuldeten Unternehmen ist der Unterschied groß.
  • Kennzahlen über Branchen hinweg vergleichen: eine Liquidität 3. Grades von 1,2 ist im Lebensmitteleinzelhandel normal, der bar kassiert und auf 90 Tage zahlt, und in der Industrie besorgniserregend.
  • Nur ein Geschäftsjahr betrachten: eine einzelne Kennzahl sagt wenig. Erst der Verlauf über drei oder vier Jahre zeigt, ob sich die Lage bessert.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den ROE?

ROE = Jahresüberschuss / Eigenkapital × 100. Ein Überschuss von 45.000 Euro bei einem Eigenkapital von 300.000 ergibt einen ROE von 15 %.

Was ist der Unterschied zwischen ROI und ROE?

Der ROI misst die Rendite des gesamten investierten Kapitals anhand des Betriebsergebnisses, der ROE die Rendite allein des Eigenkapitals anhand des Jahresüberschusses. Der erste beurteilt die Geschäftstätigkeit, der zweite den Ertrag für die Eigentümer.

Was unterscheidet die Liquidität 2. von der 3. Grades?

Die Liquidität 2. Grades schließt die Vorräte aus dem Umlaufvermögen aus. Sie ist das strengere Maß, weil das Lager am längsten braucht, um zu Geld zu werden.

Welche Richtwerte gelten als vertretbar?

Als grobe Orientierung: Liquidität 3. Grades über 1,5 und 2. Grades um 1, ROE über 10 % und ROI über 8 %. Es sind Konventionen, die stets an der Branche und am eigenen Verlauf zu messen sind.

Wie diese Berechnung funktioniert

ROE = Jahresüberschuss / Eigenkapital × 100. ROI = Betriebsergebnis / investiertes Kapital × 100. ROS = Betriebsergebnis / Umsatzerlöse × 100. Verschuldungsgrad = investiertes Kapital / Eigenkapital. Liquidität 3. Grades = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten. Liquidität 2. Grades = (Umlaufvermögen − Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten. Fremd- zu Eigenkapital = Finanzverbindlichkeiten / Eigenkapital. Zusammenhang: ROE = ROI × Verschuldungsgrad × Einfluss des nicht operativen Ergebnisses — daraus folgt der Hebeleffekt, wonach Verschuldung den ROE erhöht, solange der ROI über den Fremdkapitalkosten liegt.